Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin

Medizinische Soziologie – Lehre im Überblick

 

Dozenten

Prof. Dr. Julika Loss
Dr. Christian Apfelbacher

 

Sekretariat/Kontakt

Katja Felber

 

Was ist Medizinische Soziologie?

Die Medizinische Soziologie thematisiert die gesellschaftlichen Einflüsse auf Gesundheit und auf gesundheitliche Versorgung. Dazu gehören zum einen soziale Hintergründe und Zusammenhänge von Krankheit, insbesondere soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen. Zum anderen beschäftigt sich die Medizinische Soziologie auch mit Einrichtungen und Berufen des Gesundheitswesens, z.B. der Interaktion zwischen Arzt und Patient oder Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis.

Zur Medizinischen Soziologie gehören verschiedene Veranstaltungen in den ersten drei vorklinischen Semestern:

Art der Veranstaltung 1. Semester (Medizin) (WS) 2. Semester (Medizin) (SS) 3. Semester (Medizin) (WS)
Vorlesung Berufskunde Medizinische Soziologie I Medizinische Soziologie II
Praktikum Praktikum der Berufsfelderkundung* Praktikum der Berufsfelderkundung*  
Kurs / Seminar   Kurs der Medizinischen Soziologie* Seminar der Medizinischen Soziologie*

*Gruppeneinteilung siehe Aushang

 

Vorlesung Berufskunde:

Die Vorlesung thematisiert einleitend kurz die Entwicklung des ärztlichen Berufsbildes in den letzten 150 Jahren, z.B. den Aufschwung der Chirurgie oder die Medizin im Nationalsozialismus. Anschließend werden Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems und ihre Auswirkungen auf die ärztlichen Arbeitsbedingungen diskutiert. Was versteht man unter einer „Facharztausbildung“? Wie kommt es zum Ärztemangel? Wie viel Bürokratie ist Teil der ärztlichen Tätigkeit? Im zweiten Teil stellen verschiedene Gastdozenten ausgewählte Fachbereiche und Tätigkeitsfelder ärztlicher Arbeit vor, z.B. Allgemeinmedizin, Chirurgie, Notfallmedizin oder ärztliche Arbeit in Krisengebieten.

 

Praktikum der Berufsfelderkundung:

Zentraler Teil des Praktikums ist eine Exkursion in eine Einrichtung des Gesundheitswesens, z.B. forensische Psychiatrie, Rehabilitation oder Palliativmedizin. Zudem sollen die Studierenden in einem Fachgebiet ihrer Wahl ein Interview mit einem/r (niedergelassenen) Arzt/Ärztin führen, in dem sie etwas über Berufsbild, Qualifikationen und Arbeitszufriedenheit erfragen. Die Interviewergebnisse sollen in Form eines Referats vorgestellt werden.

Die Teilnahme am Praktikum ist Pflicht.

 

Vorlesung Medizinische Soziologie I:

In der Vorlesung werden zunächst soziologische Grundbegriffe wie soziale Normen und soziale Rollen eingeführt, um dann ihre Bedeutung im Gesundheitssystem zu analysieren. Was gehört zur „Arztrolle“? Inwieweit verändern z.B. Fernsehserien die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Ärzte? Was wird andererseits von einem Kranken bzw. einem Patienten erwartet? Wie verhält sich ein Mensch typischerweise, wenn er erste auffällige Krankheitssymptome an sich entdeckt? Was bedeutet „Diskriminierung“, z.B. für HIV-Positive? Im zweiten Teil geht es um Prävention und Gesundheitsförderung. Dabei werden zunächst die wichtigsten Risikoverhalten wie Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, Überernährung oder körperliche Inaktivität diskutiert, um anschließend vorzustellen, welche Interventionen möglich sind, um das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung zu verbessern. Was bringen z.B. Fernsehspots zum Thema AIDS? Wie kann man in Schulen und Gemeinden aktiv werden? Abschließend geht es um das Thema Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen. Was sind eigentlich Leitlinien? Wie häufig sind ärztliche „Kunstfehler“, und wie können sie vermieden werden?

 

Kurs Medizinische Soziologie:

Der Kurs vertieft die Inhalte der Vorlesung Medizinische Soziologie I, u.a. durch selbständige Arbeit in Kleingruppen oder moderierte „Streitgespräche“. Arzt-Patienten-Beziehung oder Prävention und Gesundheitsförderung werden am Beispiel relevanter Krankheitsbilder (Adipositas, Krebserkrankungen, Allergie) konkretisiert.

Die Teilnahme am Kurs ist Pflicht.

 

Vorlesung Medizinische Soziologie II:

Das zentrale Thema der Vorlesung sind soziale Ungleichheiten von Gesundheit und Krankheit. Wieso sind Menschen aus ärmeren, bildungsfernen Schichten häufiger krank und sterben früher? Welcher Unterschied ergibt sich zwischen Männern und Frauen? Diskutiert wird auch die Bedeutung des Alters auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten. Eine besondere Rolle spielt dabei das Jugendalter mit seiner Neigung zum bewussten Risikoverhalten. Auch das Alter rückt aufgrund des demographischen Wandels stärker in den Blick. Im zweiten Teil werden sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden vorgestellt. Wie entwerfe ich einen Fragebogen? Worauf muss ich bei der Auswertung achten? Wie kann ich erkennen, wie hilfreich z.B. Früherkennungsmethoden sind?

 

Seminar Medizinische Soziologie:

Das Seminar vertieft die Inhalte der Vorlesung Medizinische Soziologie II, u.a. durch selbständige Arbeit in Kleingruppen. Soziale Ungleichheit von Gesundheit und Krankheit oder Gesundheitsverhalten im Lebensverlauf werden am Beispiel relevanter Krankheitsbilder (Adipositas, Krebserkrankungen, Allergie) vertieft. Darüber hinaus wird ein eigener Fragebogen entwickelt, eingesetzt und gemeinsam ausgewertet.

Die Teilnahme am Seminar ist Pflicht.

 

 

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